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Geistlicher Impuls5 Min. Lesezeit

Die Bibel, Wort des Allmächtigen: Was bedeutet das?

Geistlicher Impuls · 22. Oktober 2026

Christen sagen über die Bibel: „Das ist Gottes Wort.“ Viele Menschen fragen sich, was damit gemeint ist. Hat Gott die Bibel diktiert? Muss man jeden Satz wörtlich nehmen? Und was hat ein so altes Buch mit meinem Leben heute zu tun? Wir möchten in diesem Beitrag eine einfache, ehrliche Antwort geben.

Gott spricht durch Menschen

Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist über viele Jahrhunderte entstanden, geschrieben von ganz unterschiedlichen Menschen: von Propheten und Dichtern, von Geschichtsschreibern und Briefeschreibern, von Augenzeugen und ihren Schülern.

Unser Namenspatron Lukas beschreibt das selbst am Anfang seines Evangeliums. Er sei „allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen“ und habe es dann „der Reihe nach“ aufgeschrieben (Lukas 1,3). Lukas hat also geforscht, gefragt und geprüft, wie ein guter Arzt, bevor er eine Diagnose stellt.

Trotzdem nennen Christen diese Texte Gottes Wort. Denn sie glauben: Gott hat sich dieser Menschen bedient. Er hat durch ihre Sprache, ihre Erfahrung und ihre Zeit gesprochen. Im zweiten Brief an Timotheus heißt es:

„Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ (2 Timotheus 3,16)

Das Zweite Vatikanische Konzil hat es so gesagt: Gott hat in der Heiligen Schrift „durch Menschen nach Menschenart gesprochen“ (Konstitution Dei Verbum, Nr. 12, 1965). Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen: Wer hat einen Text geschrieben, für wen und in welcher Lage? Erst dann versteht man, was Gott uns damit sagen will.

Was „Wort Gottes“ nicht bedeutet

  • Die Bibel ist kein Diktat. Ihre Verfasser haben nicht wie Schreibmaschinen gearbeitet, sondern mit eigenem Kopf und eigenem Herzen.
  • Die Bibel ist kein Lexikon. Sie will keine naturwissenschaftlichen Fragen beantworten, sondern die Frage, wer Gott ist und wer wir Menschen vor ihm sind.
  • Die Bibel ist keine Waffe. Wer einzelne Verse aus dem Zusammenhang reißt, um andere Menschen zu verurteilen, missbraucht sie.

Martin Luther hat einen Maßstab genannt, mit dem man die Schrift lesen soll: Es kommt darauf an, „was Christum treibet“ (Vorrede zu den Briefen des Jakobus und Judas, 1522). Mit anderen Worten: Alles in der Bibel ist auf Christus hin zu lesen.

Das Wort ist ein Mensch geworden

Für Christen ist Gottes Wort am Ende nicht nur ein Buch, sondern eine Person. Das Johannesevangelium beginnt mit den Sätzen:

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ (Johannes 1,1)

Und wenig später:

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Johannes 1,14)

Hier sind sich katholische, evangelische und orthodoxe Christen einig: In Jesus Christus hat Gott sein wichtigstes Wort gesprochen. Die Bibel führt zu ihm hin. Wer sie liest, soll nicht bei Buchstaben stehen bleiben, sondern Christus begegnen.

Ein lebendiges Wort

Die Bibel beschreibt Gottes Wort nicht als toten Text, sondern als etwas, das wirkt:

„Denn lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert.“ (Hebräer 4,12)

Beim Propheten Jesaja vergleicht Gott sein Wort mit Regen und Schnee, die die Erde fruchtbar machen. Es „kehrt nicht leer“ zu ihm zurück, „ohne zu bewirken, was ich will“ (Jesaja 55,10–11).

Das haben viele Menschen erfahren: Ein Satz aus der Bibel, gelesen in einer schweren Nacht, gibt Halt. Ein Psalm am Krankenbett spricht aus, wofür man selbst keine Worte mehr hat. So heißt es im Psalm:

„Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.“ (Psalm 119,105)

Die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus, von denen nur Lukas erzählt, sagten hinterher: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?“ (Lukas 24,32). Gottes Wort erreicht das Herz, oft gerade dann, wenn man traurig und enttäuscht unterwegs ist.

Hören und tun

Gottes Wort will nicht nur gelesen, sondern gelebt werden. Jesus sagt: „Selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lukas 11,28). Und im Jakobusbrief steht:

„Werdet aber Täter des Wortes und nicht nur Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst!“ (Jakobus 1,22)

Für den Lukas-Orden ist das der Kern. Unser Leitsatz ist selbst ein Wort aus der Bibel:

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40)

Wenn wir am Telefon einem verzweifelten Menschen zuhören, wenn wir einen Kranken besuchen oder einem Menschen ohne Wohnung helfen, dann versuchen wir, dieses Wort zu tun. Die Bibel liegt bei uns nicht im Schrank. Sie ist der Grund, warum wir überhaupt handeln.

Wie Sie anfangen können

  • Beginnen Sie mit einem Evangelium. Das Lukasevangelium eignet sich gut: Es erzählt anschaulich und voller Barmherzigkeit.
  • Lesen Sie wenig, aber regelmäßig. Ein kurzer Abschnitt am Tag reicht. Fragen Sie sich: Was sagt mir dieser Text heute?
  • Lesen Sie mit anderen. In vielen Gemeinden gibt es Bibelkreise, katholisch, evangelisch und ökumenisch.
  • Nutzen Sie eine verständliche Übersetzung. Die Einheitsübersetzung und die Lutherbibel sind kostenlos online zu lesen, zum Beispiel auf bibleserver.com.

Und wenn Sie über eine Bibelstelle oder über Ihre eigenen Fragen an Gott sprechen möchten, sind wir für Sie da. Rufen Sie uns an: 0203 39 51 65 75 (Mo–Fr 8–14 Uhr). Außerhalb dieser Zeiten erreichen Sie die bundesweite TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111.

Mehr über unseren Namenspatron lesen Sie im Beitrag „Warum Lukas? Der Namenspatron unseres Ordens“.

Bibelzitate nach der Einheitsübersetzung 2016.

Ihr St. Lukas Hospital Orden

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