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Sankt Martin bleibt Sankt Martin: Warum wir den Namen nicht verstecken sollten

Standpunkt · 21. Oktober 2026

Bald ziehen wieder Kinder mit Laternen durch die Straßen. Und wie fast jedes Jahr wird darüber gestritten, ob der Umzug noch „Martinsumzug“ heißen darf oder ob er besser „Lichterfest“ oder „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ genannt werden soll. Wir möchten in diesem Beitrag sauber trennen: Was ist tatsächlich passiert? Und was meinen wir dazu?

Zuerst die Fakten

Ein Verbot gibt es nicht. Kein Gesetz und keine Behörde in Deutschland verbietet den Namen „Sankt Martin“. Die allermeisten Martinsumzüge heißen auch weiterhin so. Behauptungen, St. Martin werde flächendeckend „abgeschafft“, sind übertrieben.

Es gibt aber einzelne, belegte Fälle von Umbenennungen, meist in Kindertagesstätten:

  • Bad Homburg (2013): In einer städtischen Kita war für den Laternenumzug die Bezeichnung „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ gebräuchlich. Die Stadt erklärte damals, es gebe dafür keine religiösen Hintergründe. Die Aufregung beruhte vor allem auf einem Zeitungsbericht mit wenigen, anonymen Elternstimmen (BILDblog).
  • Rödelsee, Landkreis Kitzingen (2023): Der Träger einer Kita, das Bayerische Rote Kreuz, nannte den Umzug „Lichterfest“. Begründung: Als konfessionsfreier Träger feiere man in der Einrichtung keine religiösen Feste (inFranken.de, 11.11.2023).
  • München (2024/2025): Im Stadtrat beantragte die Fraktion CSU/Freie Wähler im November 2024, dass städtische Kitas ihre Feiern wieder „Martinsumzug“ nennen. Das Referat für Bildung und Sport antwortete, die Kinder dürften den Namen ihres Umzugs mitbestimmen, und Bezeichnungen wie „Lichterumzug“ sollten Familien ohne christlichen Hintergrund die Teilnahme erleichtern. Außerdem fänden Kita-Umzüge oft nicht am 11. November statt, weil an diesem Tag die Kirchengemeinden ziehen (Antrag, Antwort).

Die Gründe sind also unterschiedlich: Konfessionsfreiheit des Trägers, Rücksicht auf Familien anderer Religionen, praktische Terminfragen. Dass Muslime oder andere Gruppen eine Umbenennung gefordert hätten, ist in diesen Fällen nicht belegt.

Unsere Meinung

Der folgende Abschnitt gibt die Meinung des St. Lukas Hospital Ordens wieder.

Wir halten diese Umbenennungen für einen Fehler, auch wenn sie gut gemeint sind.

Martin ist kein Hindernis, sondern eine Einladung. Der heilige Martin teilte seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Das ist eine Geschichte, die Kinder jeder Herkunft sofort verstehen: Wer etwas hat, teilt mit dem, der nichts hat. Wer diesen Namen weglässt, nimmt dem Fest nicht etwas Trennendes, sondern sein Herz.

Ohne Geschichte bleibt nur die Laterne. Ein „Lichterfest“ ist hübsch. Aber Kinder lernen dort nicht mehr, warum wir im dunklen November Lichter tragen. Ein Brauch, dessen Bedeutung man verschweigt, wird zur Dekoration.

Rücksicht heißt nicht Verschweigen. Wir verstehen den Wunsch, alle Familien einzuladen. Gerade deshalb sollte man ihnen die Geschichte erzählen, statt sie zu verstecken. Auch Menschen anderer Religionen kennen das Teilen als hohen Wert. Respekt vor anderen gelingt am besten, wenn wir selbst wissen und sagen, woher wir kommen.

Was uns besonders wichtig ist: Niemand sollte die Erzieherinnen und Erzieher, die solche Entscheidungen treffen, beschimpfen. Sie haben in der Regel gute Absichten. Wir werben stattdessen für ein Gespräch: mit Trägern, Eltern und Kirchengemeinden.

Was Sie tun können

  • Feiern Sie Sankt Martin mit Namen, in der Familie, in der Gemeinde, in der Nachbarschaft.
  • Erzählen Sie die Geschichte. Lesen Sie Kindern die Legende vom geteilten Mantel vor.
  • Fragen Sie freundlich nach, wenn Ihre Kita den Namen geändert hat. Oft gibt es Gründe, über die man reden kann.
  • Teilen Sie wie Martin. Ein warmer Mantel für die Kleiderkammer, ein Besuch bei einem einsamen Nachbarn, ein Essen für einen Menschen ohne Wohnung. Das ist der beste Martinsumzug.

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40, Einheitsübersetzung 2016)

Genau das hat Martin getan.

Ihr St. Lukas Hospital Orden

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