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Unsere Geschichte3 Min. Lesezeit

Wer nicht mehr leben will, braucht einen Menschen: Dr. Klaus Thomas und die Wurzeln des Lukas-Ordens

Unsere Geschichte · 19. April 2026

Am 19. April 1961 trafen sich in Berlin neun Menschen und gründeten den „Lukas-Orden für Krankenseelsorge und Lebensmüdenbetreuung“. Ihr Anliegen war einfach und zugleich sehr ernst: Kein Mensch, der nicht mehr weiterleben möchte, soll mit seiner Verzweiflung allein bleiben. 65 Jahre später erinnern wir an den Mann, der diese Arbeit angestoßen hat, und erklären, warum wir uns heute in seiner Tradition sehen.

Wer war Klaus Thomas?

Klaus Thomas wurde am 31. Januar 1915 in Berlin geboren und starb am 10. Juli 1992. Er war evangelischer Pfarrer, Arzt und Psychotherapeut, ein Mann, der Glauben und Medizin zusammendachte. Er promovierte 1940 in Philosophie und 1947 in Medizin. Er arbeitete als Studentenpfarrer in Berlin, als Klinikpfarrer in Marburg und später als Arzt und Psychotherapeut in Berlin.

Er war außerdem Landespfarrer des Lukas-Ordens für Deutschland, einer internationalen, ökumenischen Gemeinschaft von Seelsorgern, Ärzten, Psychologen und Laien, deren Ziel die Krankenseelsorge „durch Wort und Tat“ ist.

Die Anfänge: Lebensmüdenbetreuung in Berlin

Klaus Thomas beschäftigte sich wie kaum ein anderer in Deutschland mit der Frage, wie man Menschen in suizidalen Krisen helfen kann. 1956 ließ er gemeinsam mit Julius Wissinger die „Lukas-Gemeinschaft (Lebensmüdenbetreuung)“ in das Berliner Vereinsregister eintragen. Aus ihr ging 1960 die Telefonseelsorge Berlin hervor. Deshalb gilt Klaus Thomas als einer der geistigen Väter der Telefonseelsorge in Deutschland.

Thomas hatte dabei ein eigenes Konzept: die „Ärztliche Lebensmüdenbetreuung“, also eine Begleitung, in der Seelsorge und ärztliche Hilfe Hand in Hand gehen. Dieser Ansatz ließ sich mit dem anonymen Gesprächsangebot der entstehenden Telefonseelsorge nicht vereinbaren. Die Wege trennten sich, und 1961 gründete Thomas mit acht Weggefährten den Lukas-Orden für Krankenseelsorge und Lebensmüdenbetreuung.

Sein Wissen hielt er in zahlreichen Büchern fest, darunter das „Handbuch der Selbstmordverhütung“ (1964) und „Warum weiter leben?“ (1977). Er war außerdem Initiator der Fachzeitschrift „Wege zum Menschen“, die bis heute das Gespräch zwischen Theologie, Psychologie und Medizin fördert.

Was wir von ihm lernen

Aus dem Lebenswerk von Klaus Thomas nehmen wir drei Gedanken mit:

  1. Verzweiflung ist kein Urteil. Wer nicht mehr leben möchte, steckt fast immer in einer Krise, aus der es einen Ausweg gibt, auch wenn er gerade nicht sichtbar ist.
  2. Zuhören rettet. Oft ist das erste, was ein Mensch braucht, jemand, der ihm ohne Vorwurf zuhört.
  3. Leib und Seele gehören zusammen. Seelsorge und medizinische Hilfe sind keine Gegensätze. Sie ergänzen sich.

Unser Auftrag heute

Wir sind nicht der Verein von 1961. Wir sind eine freie, ökumenische Gemeinschaft, die in dieser Tradition steht und es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Lukas-Orden wieder mit Leben zu füllen. Unsere Schwerpunkte sind die Telefonseelsorge und der Krankenbesuchsdienst: am Telefon für Menschen in Not da sein und Kranke dort besuchen, wo sie oft am einsamsten sind.

Unser Leitsatz verbindet uns mit allen, die vor uns diesen Weg gegangen sind:

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40, Einheitsübersetzung 2016)

Wenn es Ihnen gerade nicht gut geht

Wenn Sie selbst daran denken, nicht mehr leben zu wollen: Sie sind nicht allein, und es gibt Hilfe. Sprechen Sie mit jemandem.

Ihr St. Lukas Hospital Orden


Quellen: Wikipedia-Artikel „Klaus Thomas“ (abgerufen am 21. Oktober 2026) mit den dort genannten Nachweisen, u. a. Vereinsregister Amtsgericht Charlottenburg (VR 3167 B) und Deutsches Ärzteblatt.

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